City-Hostel Wombat's

Die Jugendherberge Wombat's wurde 1999 von Architekt Iwan Zelenka gebaut, der das Institut in die Licht- und Farbgestaltung mit einbezog. Nach der sehr expressiven Außengestaltung wurde der Beschluss gefasst, die fünf Geschosse (EG bis 4. OG) farblich zu akzentuieren und dadurch einen Farbleitplan zu schaffen.

Farbgebung

Während in der Eingangszone ein starkes Orange-Terrakott gewählt wurde, lief vom ersten bis zum vierten Obergeschoss eine Farbenreihe durch: Orangegelb, Gelb, Grün, Blau. Außer dem Boden (ein geschliffener Betonboden in changierendem Grau auf Wunsch des Bauherrn) waren alle Bauteile davon betroffen:  Wand, Türblätter, Türzargen.
Eigentlich war für die Türzargen ein einheitliches Grau im ganzen Haus geplant, es zeigte sich aber, dass dieses Grau neben den kräftigen Farbtönen der Türblätter nicht grau blieb, sondern — den Gesetzen des Simultankontrastes folgend — immer ein bisschen in die Gegenfarbe umkippte. Daher wurde für jedes Geschoss ein eigenes Grau gemischt: Für das vierte OG mit Blaustich, für das dritte mit Grünstich, etc.
Die Wände bekamen helle Pastelltöne (die Gänge sind fensterlos), damit sie nicht zu düster erscheinen; die Beleuchtung erfolgt mit relativ schwachen Deckenleuchten. Wir wiesen die Bauherren darauf hin, dass eine gewisse farbliche Strukturierung der Wände günstig wäre, um damit einer gewissen Verschmutzungsgefahr entgegenzuwirken. Doch dies wurde zunächst nicht als nötig betrachtet.

Funktionale Innengestaltung

Nach etwa einem Jahr kam ein Anruf des Bauherrn:
"Wir haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder wir malen Gänge und Stiegenhaus jedes halbe Jahr neu aus, oder wir nehmen doch Ihren Vorschlag an, die Wände zu gestalten."

Eine Baubesichtigung ergab: Schuhabdrücke, Wischer unbekannter Herkunft, Kratzspuren, kleine und größere Kaskaden von ausgeschüttetem Kaffee... alles auf den pastellfarbigen Wänden.

Wir wurden beauftragt, die Wände der vier Obergeschosse mit bildlichen Strukturen zu gestalten. Die erste Idee war, jedes Geschoss einem österreichischen Künstler zu widmen (Klimt, Hundertwasser...) — doch die Kosten dafür waren der Bauherrschaft zu hoch. So einigten wir uns auf "einfache" Kandinsky-Strukturen, frei aus Werken dieses ersten abstrakten Künstlers zitiert.

Das Bild zeigt Marit Fischer, Tochter des Institutsleiters, damals noch im Gymnasium. Die Hauptarbeit führte allerdings Andreas Göltl, Schüler Fischers und einer der Hauptmitarbeiter am Institut, mit seinem Team aus Freunden durch. Arbeitsverlauf: Wahl von 10-12 Farbtönen und von bestimmten Bildstrukturen Kandinskys - gemeinsamer Institutsentwurf. Auf dieser Basis schuf A. Göltl die Gangstrukturen durch freie Vorzeichnungen auf den Wänden mit Berücksichtigung einer optimalen Raumdynamik. 

Das Wunder geschah: Die Gäste der Jugendherberge — vormals ziemlich rüde im Umgang mit den Räumen — nahm die neue Gestaltung offensichtlich mit so viel Respekt an, dass die Beschädigungen auf maximal 10% zurückgingen.

Aufstockung und "Skybox"

Und auch die Jugendherberge florierte — vielleicht auch wegen der ungewöhnlichen Ganggestaltung — zwei Jahre danach wurde sie um weitere vier Geschosse erhöht und wir erhielten auch die Farbgestaltung dieser Gänge und der "Skybox", ein penthouseartiger Bürotrakt für die Büros des Unternehmens, als oberste Zone mit Dachterrasse aufgesetzt.

Das Objekt liegt in einem Industriedurchsetzten Altbauviertel ohne eigentliche städtebauliche Definition. Daher konnten wir hier farblich ein markantes Gestaltzeichen setzen: dem Charakter "Jugend" und City-Hostel entsprechend wählten wir kräftige Töne: Ein starktes Rot-Terrakot über kräftigem Lavendelblau und Türkis.