Stadtheim der Stadt Wiener Neustadt, Altenwohn- und Pflegeheim

Hier: Gestaltung einer viergeschossigen Außenwand 

Man sieht die nächtliche Szene mit dem Hebekran, in dessen Gondel zwei künstlerische Mitarbeiter stehen und die Fassade auf- und abfahren, um die Bildprojektion nachzuzeichnen. Die Aufnahme erfolgte vom zweiten Kran, der in halber Höhe der Wand den Bildprojektor trägt.

1997 wurden wir durch das Planungsbüro Baumeister Panis, Wr. Neustadt, zur Licht- und Farbberatung bei der umfassenden Revitalisierung des Altenheimes in der Lazarettgasse 5 beauftragt.

Dieser Bau ist für uns eines der gelungensten Farbgestaltungs-Objekte, denn nahezu jeder Farbton stammt aus unserer Hand. Wie schon 1989/90 beim Neubau des Krankenhauses Hollabrunn wählten wir auch hier drei Grundfarbstimmungen für die Belegszimmer: Es gibt die Zimmervarianten Pastellblau, Pastellgrün und Aprikotfarben. Wie in Hollabrunn waren wir auch hier darauf bedacht, dass das Auge des Bewohners Farbimpulse aus beiden Hälften des Farbkreises bekommt - sowohl erregende als auch beruhigende Farbreize. Deshalb wurde durch die Bodengestaltung (zweifärbig in Linol) eine jeweils passende Komposition aus dem Bereich der Gegenfarbe (Komplementärfarbe) in den Raum gebracht. Also z.B. im Aprikot-Zimmer (Wandfarbe) eine Bodenkomposition aus zwei Blautönen.

Die Ganggestaltung erfolgte beim ersten Teil des Umbaus (älterer Trakt) auf zweierlei Weise:
Erstens wurden die vier Geschosse nach Leitfarben gestaltet. Diese Leitfarbe erscheint bei den Stockwerksanzeigetafeln, auf Hinweisschildern im Aufzug und in den Gängen sowie als generelle Gangfarbe an den Wänden. Dies allerdings in abgestuften Helligkeiten, wodurch die langen Gänge belebt und optisch verkürzt werden.

Weiters zeigen sich diese Töne in der vierfarbigen Bodengestaltung aus Naturstein, es wurden verschiedene Marmorarten in geometrischen Designs verlegt.

Sämtliche andere Bauteile und Elemente der Räume wurden diesem Konzept angepasst. Wir konnten alle Farben bis ins Detail planen, von Türzarge und Türschnalle über Parapete und farbige Nassraum-Akzente bei der Verfliesung bis hin zur künstlerischen Wandgestaltung mit farbiger Keramik im Stationsbad.

Noch attraktiver, weil weithin sichtbar, wurde die künstlerische Gestaltung am Außenbau. Aus mehreren vorgelegten Entwürfen wählte Frau Bürgermeisterin Traude DIERDORF persönlich den farbig flottesten aus, zu diesem Mut zur Farbe können wir ihr heute noch gratulieren.

Es entstanden viergeschossige Wandbilder mit Motiven aus den 60er-Jahren - ein visueller Anflug an die Beatles - Ära und "Yellow Submarine".

Was uns erfreute und bestätigte:
Während der künstlerischen Durchführung (wir stellten ein freies Team von künstlerischen Mitarbeitern zusammen, wie vorher schon in Linz bei Schobesberger, siehe Bild42) erhielten wir nicht nur regen Zuspruch von den Vorübergehenden, sondern gerade auch die Bewohner des Heimes waren hoch erfreut und interessiert daran was wir hier machten. Es war rührend, wie uns einige hoch betagte Heimbewohner für die schöne Malerei dankten und dafür dass wir uns für sie so große Mühe geben würden.

Erweiterungen dieses Auftrags: noch zwei andere viergeschossige Wandbilder an anderen Fassadeteilen, wir führten sie im gleichen Stil mit farblichen Variationen durch. So entstand die Bildfolge: Frühling, Sommer, Indian Summer (ein strahlend farbiger Herbst).Vielleicht kommt später einmal ein Spätherbst oder Winter dazu?

Das Bild zeigt die nächtliche Projektion und Vorzeichnung der zweiten Wandmalerei "Sommer", Bild Nr. 6 des Plakates zeigt den "Frühling".