Farbe und Zeitrhythmus – woher kommt die Winterdepression?

Die Chronobiologie ist eine Wissenschaft, die heute sehr genau untersucht, welche Rhythmen im körperlichen Geschehen des Tages eine Rolle spielen. Schon in den 80er Jahren erklärte Prof. Dr. Stickl, Univ. München, als Arzt und Immunologie-Forscher, was im Körper vor sich geht, wenn er aus dem Schlafzustand in Dunkelheit allmählich in den Tagesrhythmus einschwenkt: Änderungen im Blutzucker, im Wasserhaushalt, bei den Eosinophilen im Blut und vieles andere – es betrifft das gesamte vegetative Nervensystem. Wir kennen heute gut genug, was geschieht, wenn unser gleichmäßiger Tagesrhythmus gestört wird – z. B. bei Langstreckenflügen in Ost-West-Richtung: wir nennen das Jetlag, und oft braucht der Organismus Tage, bis er wieder regelgerecht funktioniert.

Einer der wichtigsten Faktoren für diesen biologischen Rhythmus über 24 Stunden ist das Licht. Und dabei nicht nur die Lichtstärke, wie man bisher meist glaubte, sondern vor allem die wechselnde spektrale Zusammensetzung, die Änderung der Lichtfarbe.

Wir müssen davon ausgehen, dass viele Monte hindurch unser biologischer Lichtrhythmus gestört wird: in den gemäßigten Breiten unserer zivilisierten Ballungsgebiete herrscht die Hälfte des Jahres Lichtmangel, weil die Tage zu kurz sind. In unserer tropischen Urheimat war der menschliche Körper auf das Tropenlicht und seine täglich gleichmäßigen Lichtrhythmen ausgerichtet. Manche Menschen empfinden es wie ein Heimkehren in ein früheres Zuhause, wenn sie Urlaub in Zentralafrika machen, woher die Menschheit nach neueren Forschungen ja auch tatsächlich stammt.

Unsere Situation stellt so zu sagen einen Jahreszeiten-Jetlag dar, weil uns über viele Wochen des Jahres der wichtige stimulierende Faktor Licht abgeht. Winterdunkle Phasen mit ständigen Trübwetter ist unser Organismus einfach nicht gewöhnt – und da es sich hier um genetische Prägung handelt, können wir uns zwar einigermaßen an den Winter anpassen, aber doch nicht wirklich umgewöhnen.

Der Mensch bleibt ein “Licht-Wesen“ und neigt daher mehr oder weniger stark zur “Winterdepression“. Die SAD (Seasonal Affective Disorder) ist heute eine anerkannte Krankheitserscheinung. Der Lichtmangel, der sie hervorruft, beruht weniger auf geringer Lichtstärke (in lux gemessen) sondern auf einem Mangel an natürlichem Lichtspektrum mit einer entsprechend langen Bestrahlungsdauer und natürlich auch entsprechender Helligkeit. Ist die Lichtstrahlung optimal, dann entwickelt der Körper Serotonin, ein gesundheitlich wichtiges Hormon, das die Wirkung eines Endorphins hat, also Glücksgefühle hervorruft und antidepressiv wirkt.