Licht und Beleuchtung heute

Gutes Licht ist alles andere als selbstverständlich.

Ein Gesetz der Biologie:
Entweder eine Spezies passt sich an neue Umweltbedingungen an oder sie geht unter. Beispiele aus der Tierwelt sind bekannt. Klimaveränderungen konnten oft nicht ausgeglichen werden, weil  Lebensbedingungen und Reaktionsweisen genetisch festgelegt sind: die Spezies saß in der Falle.

Menschen gelten als extrem anpassungsfähig. Dennoch erhebt sich in unserer raschlebigen Welt mit ständigen schwerwiegenden Veränderungen die Frage: Woran können wir uns (noch) anpassen, wo aber werden wir geschädigt?

Diese Themen machen seit Jahren Schlagzeilen:
Schadstoffe in der Luft, naturferne Nahrungsmittel, radioaktive Belastungen, uneinschätzbare Folgen neuer Techniken und chemischer Praktiken.
Was in der Öffentlichkeit aber bisher nur wenig aufgefallen ist, obwohl es uns doch tatsächlich und pausenlos
“ins Auge fällt“, ist
die Wirkung des Lichtes!


Gutes Licht ermöglicht nicht nur das Sehen

Nein, diese biologisch äußerst aktive Strahlung wirkt auch tief ins Nervensystem hinein, steuert Organe und Hormone, kann das Auge ebenso schädigen wie es dieses auch heilen kann.
Licht erhellt seit Generationen den menschlcihen Lebensraum auch in der Nacht, wenn die Sonne nicht scheint.
Die Frage ist nur: Welches Licht?

Bisher gilt bei Planungen fast immer nur eines: Die Menge des Lichtes - gemessen in Lux, Lumen oder Candela.
"Wie viel" Licht - das sagt aber überhaupt nichts aus über "was für ein" Licht, also über seine Qualität und damit über seine sehr unterschiedlichen biologischen Wirkungen.

Gut oder schlecht - das unterscheidet sich in der Zusammensetzung des Lichtes aus seinen einzelnen Farbstrahlen:
Beim Tageslicht der komplette Regenbogen, bei Kunstlicht immer eine Ersatzstrahlung - mehr oder weniger kompett, mehr oder weniger sonnenähnlich.
Gutes Licht zeigt die richtigen Farben, flimmert nicht, läßt Schatten und plastische Bilder erkennen, hilft bestens bei der Orientierung.
Gutes Licht beruhigt aber auch das Nervensystem, wirkt antidepressiv, liefert zu jeder Tageszeit die richtigen lebenserhaltenden Impulse, weile es die "innere Uhr" steuert, gutes Licht hält wach, ohne zu stressen.
Und wenn es Stressreaktionen aufruft (triggert), dann ist das der an sich gesunde und wichtige "Eu-Stress", der uns leistungsfähig macht.

Schlechtes Licht erschwert die Orientierung, fördert Unfälle, überanstrengt die Augen, macht depressiv, müde und kraftlos. Dass aber "mensch-unangepasstes Licht" (Prof. Dr. Richard Funk) auch zur Zerstörung der Netzhaut im Auge oder gar zu Krebs führen könnte, diese Tatsache hat das öffentliche Bewusstsein noch kaum erreicht, obwohl seit locker zehn Jahren auf Kongressen und Fachkonferenzen darüber gesprochen wird.
Wie ist es sonst denkbar, dass immer noch Licht installiert wird, welches zunehmend im Verdacht steht, eine neue weltweite Zivilisationskrankheit von verheerendem Ausmaß hervorzurufen?
Die "Altersbedingte Makula-Degeneration" (AMD) schreitet unerwartet rasch voran, im schlimmsten Fall mit den Folgen der Erblindung im Alter.

Was geschah?
Nach der größten kulturellen Erfindung des letzten Jahrtausends, dem Glühlicht aus elektrischem Strom, begann  man diese verblüffend einfache (und in ihrem Lichtspektrum sonnenidente) Lichttechnik wegzurationalisieren - zugunsten einer hochkomplizierten Gasentladungslampe (Leuchtstoff- ist gleich Fluoreszenzlicht, auch Energie"spar"lampe), die Giftstoffe enthält, welche eigentlich fachgerecht entsorgt werden müssten. Die Lampenproduktion erforderte viel verdeckte Energie und Sonderkosten.
Heute boomt die LED (die licht-emittierende Diodenlampe) - wir werden immerhin jetzt vom Quecksilber verschont. Aber eines hat auch sie (noch) nicht: Ein naturnahes, lückenloses Lichtspektrum wie die Sonne und der helle Tag.

Doch vor allem bei der LED muss man auf grosse Unterschiede verweisen:
Manche LEDs weisen einen niedrigen Blau-Zacken im Spektrum auf - sie stören das Auge nur wenig mit dem
Blaulicht, von dem viele Wissenschafter überzeugt sind, dass es jene Radikalen in der Netzhaut hervorruft, die den ständigen Wiederaufbau der wichtigen Sehrezeptoren im Zentrum der Netzhaut (der Retina) auf Dauer bremst oder gar völlig unterbindet. Warum hat wohl die Natur in diesem winzigen, nur Quadratmillimeter großen Fleckchen der Netzhaut (der makula lutea = gelber Fleck), wo allein wir scharf und farbig sehen können, gelbe Pigmentkörner eingelagert, die das (farbig komplementäre) Blaulicht abschwächen? Und somit das Auge von der Blaulichtgefahr schützen?
Auch färbt unsere Natur die Linse im Auge mit zunehmendem Alter bräunlich - eine natürliche Sonnenbrille, wie Dr. Alexander Wunsch sie bezeichnet (http://www.lichtbiologie.de/)

Dazu kommen weitere Problem-Faktoren: Vor allem eine unnatürliche Zeitverteilung bei der Beleuchtung, wodurch er Rhythmiús es Organismus belsástet wird (vgl. Chronobiologie). Und auch andere technische Eigenheiten wie das Dimmen durch zerhackte Lichtphasen (flickering), die unsachgemäße Blendung bei Lichtanlagen oder vielfach auch oder generell zu hohe Lichtwerte. Wir dürfen nicht vergessen, welche ungemein starke Zunahme an Augenbelastung durch überall einwirkenden Bildschirmen entsteht, heute ganz besonders auch schon ibei Kindern.

Eine Lebensraumveränderung größten Ausmaßes!

Hier müsste man ein anderes Auge, eine andere Netzhaut, ein anderes Seh-Nervensystem besitzen, welches diese neuen Verhältnisse verträgt. Umsonst: Unser Auge ist an einen Naturzustand angepasst – an das Licht Afrikas durch 5 Millionen Jahre unserer menschlichen Frühentwicklung – und dies ist genetisch fixiert.

Es bleiben, wie auch allgemein in der Evolution, zwei Möglichkeiten:
Anpassung - oder Wechsel der Verhältnisse.
Hält diese Veränderung an, so fordert man die menschliche Natur weiter heraus.  Glaubt man an eine allmähliche Anpassung und an irgend eine neue Gruppe von Menschen, die vielleicht genug Resistenz entwickeln könnte, dann opfert man allerdings bis dorthin eine Unzahl nicht anpassungsfähiger Individuen – sprich: man lässt sie krank werden und unter Umständen auch sterben – vgl. die Ausführungen von Prof. Dr. Eva Schernhammer (Univ. Wien/Boston) zu Licht und Krebsgefahr.
Da ist es fraglos besser, man ändert die Bedingungen im Lebensraum und entwickelt wieder ein mensch-angepasstes Kunstlicht, das den biologischen Grundlagen des Menschen entgegen kommt: Licht, das nicht nur nicht schädigen kann, sondern die Gesundheit sogar fördert.


Licht und Farbe für die Gesundheit?

Dies war nicht nur das Thema im März 2017 in Wien (Festsaal des Gesundheitsministeriums), das war bereits im November 2013 die zentrale Frage der gleichnamigen Konferenz im LKH Univ.Klinikum Graz.
Und das erste Mal sprach Prof. Dr. Richard Funk über Licht und AMD bei der 1.PLDC 2007 (!) in London.
Vortragende berichten seither laufend aus Forschung und Baupraxis. Sie zeigen, dass gegenwärtig die Lichtplanung bei Neubauten oder Revitalisierungen kaum von den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgeht: Geplant und gebaut wird wie eh und je, Warnungen werden ignoriert, die Baukosten sind wichtiger als die Lebensqualität.

Krankenhäuser, Arztpraxen, Kindergärten, Schulen, Betriebsstätten weisen auf weite Strecken noch immer eine Beleuchtung auf, die heute als gefährlich eingestuft wird: Unphysiologisch kalte Lichtfarben mit unkomplettem Lichtspektrum und hohen Blaulichtwerten, dazu “klinisches Weiß“ und gar noch Grau und Schwarz in der Raumgestaltung statt einer gepflegt farbigen lebensfördernden Atmosphäre.

Dies brachte die Konferenz 2017: Die Wichtigkeit von Lichtqualität

Moderne Augenmedizin und Zellbiologie zeigen, dass die Zusammensetzung des Lichtspektrums höchste Bedeutung hat:
Bei Planungen sollte man daher die Leuchtmittel kritisch auswählen und nach der Installation die spektralen Lichtwerte in den Räumen nochmals messen. In einem Wiener Krankenhaus wurde diese Maßnahme Ende 2013 genau befolgt. 
Chronobiologie statt Monotonie:
Starre Lichtwerte über den ganzen Tag blockieren biologische Rhythmen. Richtig ist es daher, eine “Tageslichtanpassung“ zu planen, bei welcher die Beleuchtungsstärken und Lichtfarben sich ändern.
Auch unter dem Aspekt der Arbeitssicherheit und des Arbeitnehmerinnenschutzes muss Licht betrachtet werden. Licht kann ebenso zur psychischen Belastung werden wie es anderseits auch Entspannung und Glückgefühle hervorrufen kann – warum also nicht dem Arbeitsplatz einen Touch jener paradiesischen Vollkommenheit verleihen, den uns das Sonnenlicht immer schon geschenkt hat?

Wenn man will, geht das auch. Wir waren 2013 dazu berufen, das Licht in den unteren Geschossen der neuen Psychiatrischen Klinik in Eisenstadt zu optimieren: Seither wird Farbe und Lichtmenge dem Tageslichtstand angepasst.
Und das eine Verbeserung der Leuchtmittel bei weitem noch möglich ist, zeigen Fachleute der Lichttechnik und Festkörperphysik: neue LEDs wären tatsächlich im Stande, ein gesünderes Licht hervorzubringen, wenn Ihr Spektrum entsprechend verbessert wird: freundliches, warmfarbiges Licht mit ungefährlichem Blauanteil und dennoch 95% Farbrichtigkeit ist zu erreichen, wenn nur das "binning" genügend gründlich durchgeführt wird. Freilich kosten die Lampen dann auch mehr. Und auch das belastende Flickern ist bei guter Planung beherrschbar.

Doch die Erkenntnisse über Licht führen noch viel weiter.

Bereits 1903 erhielt Niels Ryberg Finsen den medizinischen Nobelpreis für seine Lichttherapie. Während die Wirkung des Lichtes durch den gezielten Einsatz als Licht- und Chromotherapie noch wesentlich gesteigert werden kann, hat auch jedes “normale“ Licht, wo immer wir es empfangen, eine latente therapeutische Wirkung. Klar geht daraus hervor, dass ein Billiglicht wie für Magazine oder untergeordnete Verbindungszonen (dafür hatte man das Entladungslicht ja seiner Zeit geschaffen) keineswegs geeignet ist für ein Krankenzimmer, einen Untersuchungs- und Behandlungsraum oder eine Intensivstation.
Heute liegen neue gesundheitsorientierte Lichtplanungsprinzipien vor – man braucht sie nur durchzuführen. Und es gibt bereits verblüffende Erfolgsbeispiele bei neuesten Bauausführungen, auch in Kombination mit psychisch, ergonomisch und therapeutisch optimierten Farbkonzepten. 

Lichtplanung im Krankenbereich bedeutet höchste Verantwortung. Besonders hier kann nicht weiterhin unkritisch einer Praxis gefolgt werden, die bei Bauvorhaben mehr auf finanzielle Einsparungen bedacht ist als auf die Gesundheit von Patienten, Ärzten und Pflegepersonal.
Vor 80 bis 100 Jahren war die Lichtindustrie noch stark und nachhaltig auf Lichtgesundheit ausgerichtet. Denn das "Temoperaturstrahlerlicht" der Glühlampe (heute Halogenglühlamope) ist sonnenähnlich und kann im Normalfall nicht den geringsten Schaden im Auge und im Organismus anrichten, ganz im Gegenteil: Sie fördert die Gesundheit.
Wo stehen wir heute?

Nur eine breite öffentliche Aufklärung über die gesundheitliche Wichtigkeit von Licht – wie auch über moderne Lichtgefahren – kann ein Umdenken im Planungsgeschehen hervorrufen.

Es darf nicht nur um Geld gehen.

An erster Stelle steht der Mensch.